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Leitfäden·6 Min. Lesezeit·

Schweißkarte und Rückverfolgbarkeit: Wie Nähte mit WPS, WPQ und Werkstoffbescheinigungen verknüpft werden

Eine Schweißkarte ist eine Zeichnung oder ein Datenbankdatensatz, der jeder Schweißnaht in einer gefertigten Baugruppe eine eindeutige Kennung zuweist und diese mit dem spezifischen Schweißer, der WPS, den Schmelzennummern und den Inspektionsaufzeichnungen verknüpft, die für diese Naht maßgeblich sind. Die Schweißrückverfolgbarkeit ist eine verbindliche Anforderung beim ASME-Regelwerkbau und ein wesentliches Element jedes ernsthaften Fertigungsqualitätssystems.

Kurze Antwort

Quick Answer

Eine Schweißkarte ist ein Dokument – typischerweise eine isometrische Zeichnung oder Tabelle –, das jeder Schweißnaht eine eindeutige ID zuweist und den Schweißer, der sie ausgeführt hat, die verwendete WPS, die zugehörige PQR, die Schmelzennummern der Grund- und Zusatzwerkstoffe sowie die ZfP- und PWHT-Ergebnisse erfasst. Sie schafft eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von der physischen Naht bis zum Qualitätszertifikat.


Inhalt einer Schweißkarte

Eine Schweißkarte verknüpft jede Naht mindestens mit:

DatenfeldQuelldokument
Nahtnummer (z. B. W-47)Zeichnung oder Isometrie
Nahttyp (Stumpf-, Kehl-, Muffen-)Konstruktionszeichnung
WPS-Nummer und RevisionSchweißverfahrensspezifikation
Zugehörige PQR-NummerVerfahrensqualifizierungsaufzeichnung
Schweißer-ID / StempelWPQ-Aufzeichnung
Schmelzen-/Losnummer GrundwerkstoffMTC für Grundwerkstoff
Chargen-/Losnummer ZusatzwerkstoffCoA für Zusatzwerkstoff
VorwärmaufzeichnungVorwärmprotokoll oder Thermoelementkurve
PWHT-Referenz (falls zutreffend)PWHT-Bescheinigung und Kurvendiagramm
ZfP-BerichteUT-, RT-, MT- oder PT-Berichtsnummern
EndentscheidungAnnehmen / Nacharbeiten / Ablehnen

Eine vollständige Schweißkarte ermöglicht es jedem Beteiligten – Auftraggeber, Zugelassenem Inspektor, Versicherer oder Schadensuntersucher –, die vollständige Qualitätshistorie jeder einzelnen Naht innerhalb von Minuten zu rekonstruieren.


Regelwerksanforderungen für die Schweißrückverfolgbarkeit

ASME BPVC Abschnitt VIII Division 1

ASME VIII-1 verlangt vom Hersteller, Aufzeichnungen aller Produktionsschweißnähte zu führen, aus denen die verwendete WPS, die Schweißer- oder Schweißmaschinenführer-Identifikation und die ZfP-Ergebnisse hervorgehen. Diese Aufzeichnungen sind Teil der Qualitätssystemdokumentation, die der Zugelassene Inspektor beim Unterzeichnen des Herstellerdatenberichts (Formular U-1) prüft.

ASME B31.3 Prozessrohrleitungen

B31.3 Klausel 328 verlangt die Schweißeridentifikation an allen Produktionsschweißnähten (Schweißerstempel, Schablone oder Schweißkartenreferenz). Die WPS muss am Arbeitsplatz verfügbar sein. ZfP-Aufzeichnungen müssen zur spezifischen Naht rückverfolgbar sein.

EN 13480-5 (Metallische Industrierohrleitungen)

Erfordert eine Schweißliste (gleichwertig zu einer Schweißkarte), die jede Naht, die Verfahrensreferenz und die Zulassungsnummer des Schweißers ausweist. Diese Schweißliste ist Teil der technischen Dokumentation, die der Notifizierten Stelle zur PED-Konformitätsbewertung vorgelegt wird.

ISO 3834-2 (Qualitätsanforderungen beim Schmelzschweißen)

ISO 3834-2 (umfassende Qualitätsanforderungen) verlangt ausdrücklich die Rückverfolgbarkeit von Grundwerkstoffen, Schweißzusatzwerkstoffen und Wärmebehandlungsaufzeichnungen auf spezifische Produktionsschweißnähte.


Typische Schweißkartenformate

Format 1: Kommentierte isometrische Zeichnung
Jede Naht wird auf einer Rohrleitungsisometrie nummeriert. Ein tabellarischer Anhang liefert die Rückverfolgbarkeitsdaten für jede nummerierte Naht. Dies ist das gebräuchlichste Format für die Rohrleitungsfertigung.

Format 2: Behälter- oder Konstruktionsschweißjournal
Eine Tabellenkalkulation oder Datenbanktabelle mit einer Zeile pro Naht. Die Spalten entsprechen den oben aufgeführten Datenfeldern. Wird für Druckbehälter und Stahlbaufertigung verwendet, wo 2D-Zeichnungen weniger praktisch sind.

Format 3: Digitales Schweißmanagementsystem
Schweißnähte werden in einer Datenbank erfasst. Der Schweißer scannt einen Barcode oder ein RFID-Etikett, um seinen Stempel einer bestimmten Naht zuzuordnen. Das System füllt WPS- und Schmelzennummerfelder automatisch aus verknüpften Datensätzen aus und generiert Ausnahmeberichte für Nähte mit fehlender erforderlicher Dokumentation.


Aufbau der Rückverfolgungskette

Rückverfolgbarkeit erfordert eine bewusste Prozessgestaltung in jeder Fertigungsphase:

1. Wareneingang

  • Eingehender MTC wird empfangen, protokolliert und die Schmelzennummer wird gegen die physische Markierung am Werkstoff verifiziert
  • Werkstoff wird mit Schmelzennummerdatensatz in den Bestand aufgenommen

2. Heften und Markierung

  • Naht wird mit der eindeutigen Schweißnummer aus der Schweißkarte markiert
  • Schmelzennummern der Grundwerkstoffe auf beiden Seiten der Naht werden erfasst

3. Schweißen

  • Schweißer stempelt oder unterzeichnet das Schweißjournal für die spezifische Naht
  • WPS-Nummer wird erfasst
  • Vorwärmung wird dokumentiert, sofern erforderlich

4. Wärmenachbehandlung

  • Die PWHT-Bescheinigung referenziert die Nahtnummern und Schmelzennummern aller Schweißnähte im Chargenlos

5. ZfP

  • ZfP-Bericht referenziert die Nahtnummer
  • Annahme-/Ablehnungsentscheidung wird in die Schweißkarte eingetragen

6. Abschlussprüfung

  • Vollständigkeitsprüfung der Schweißkarte vor dem Drucktest
  • Zugelassener Inspektor überprüft die Schweißkarte als Teil der Regelwerksinspektion

Häufige Rückverfolgbarkeitslücken bei Audits

  • Schweißer-ID fehlt für bestimmte Nähte (Schweißer hat den Stempel eines anderen verwendet oder Stempel ist abgefallen)
  • Chargenlosnummer des Zusatzwerkstoffs nicht erfasst (nur die Klassifizierung ist vermerkt, nicht die spezifische Charge)
  • Schmelzennummer auf der Schweißkarte stimmt nicht mit der physischen Werkstoffmarkierung überein (Werkstoff wurde substituiert, ohne die Aufzeichnungen zu aktualisieren)
  • ZfP-Bericht referenziert eine Nahtnummer, die nicht in der Schweißkarte enthalten ist (Neunummerierung während der Fertigung ohne Aktualisierung aller Dokumente)
  • PWHT-Kurvendiagramm weist nicht aus, welche Nähte im Ofenlos enthalten waren

Digitale Schweißkartensysteme

Papierbasierte Schweißkarten werden bei großen Projekten (Hunderte oder Tausende von Nähten) unhandlich und sind anfällig für Datenverlust. Digitale Systeme wie TestCert bieten:

  • Zentralisierte Datenbank, die Nähte in Echtzeit mit allen Zertifikaten verknüpft
  • Automatische Warnungen bei unvollständiger Dokumentation vor der Drucktest-Freigabe
  • Prüffertige Berichte mit dem prozentualen Rückverfolgbarkeitsabdeckungsgrad
  • Durchsuchbare Abfragen: „Alle Nähte anzeigen, die von Schweißer W-12 in den letzten 6 Monaten geschweißt wurden"
  • Integration mit ZfP-Berichtsimport und PWHT-Kurvendiagramm-Digitalisierung

Ist eine Schweißkarte ein verbindlich vorgeschriebenes Regelwerksdokument?

ASME VIII-1 und B31.3 verlangen die entsprechenden Rückverfolgbarkeitsdaten, schreiben jedoch kein spezifisches Dokumentformat namens „Schweißkarte" vor. Ein Zugelassener Inspektor erwartet jedoch nahtgenaue Aufzeichnungen, die jede Naht mit ihrer WPS, ihrem Schweißer und den Inspektionsergebnissen verknüpfen. Die Schweißkarte ist das standardmäßige praktische Format zur Erfüllung dieser Anforderung.

Wer ist für die Pflege der Schweißkarte verantwortlich?

Die Qualitätskontrollabteilung des Herstellers ist verantwortlich. Der QS-Leiter oder -Inspektor führt die Schweißkarte in der Regel und unterzeichnet ihre Vollständigkeit. Bei auftraggeber-überwachten Projekten überprüft der Inspektor des Auftraggebers die Schweißkarte ebenfalls als Halte- oder Witnessing-Punkt vor der Freigabe.

Muss eine Schweißkarte dem Auftraggeber vorgelegt werden?

Dies hängt vom Vertrag ab. Viele EPC- und Auftraggeber-Spezifikationen verlangen, dass der Hersteller die vollständige Schweißkarte und die zugehörigen Bescheinigungen als Teil des Inspection Test Record (ITR)-Pakets bei der mechanischen Fertigstellung vorlegt. Bei ASME-kodierten Geräten werden Schweißrückverfolgbarkeitsunterlagen vom Hersteller aufbewahrt und dem AI auf Anfrage zur Verfügung gestellt – sie werden nicht an ASME übermittelt.

Wie wird eine Schweißkarte mit der Wärmebehandlung verknüpft?

Nähte, die einer PWHT bedürfen, werden auf der Schweißkarte mit der PWHT-Verfahrensreferenz gekennzeichnet. Die PWHT-Bescheinigung und das Zeit-Temperatur-Kurvendiagramm verweisen auf die spezifischen Nahtnummern (oder die Spulen-/Baugruppenkennung), die in diesem Wärmebehandlungszyklus enthalten sind. Dies schafft eine bidirektionale Verknüpfung: von der Naht zum PWHT-Datensatz und vom PWHT-Datensatz zu den abgedeckten Nähten.

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